Mittwoch, 30. November 2016

Deutschlands Kommentarspalten #1  

- Sexuelle Übergriffe durch „Neubürger“ -

Spätestens seit den schweren sexuellen Übergriffen zur Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten stehen Flüchtlinge unter dem ständigen Verdacht potentielle Vergewaltiger zu sein. Doch wie bei so vielen Themen ist auch hier eine ordentliche Differenzierung notwendig. Es waren tatsächlich überwiegend Menschen aus Nordafrika und dem arabischen Raum an den Taten vor knapp einem Jahr beteiligt. Daraus könnte man nun schließen, dass Männer aus diesen Kulturräumen einen deutlich geringeren Respekt vor Frauen haben, als die Männer hierzulande. Tatsächlich aber sind Ausländer nicht auffälliger bei Sexualdelikten als Deutsche. Und doch darf man die Taten von Köln nicht kleinreden. Sexuelle Übergriffe unter dem Schutz der Masse ist ein neuartiges Phänomen und muss unbedingt verhindert werden. Zum Schutze der Frauen, aber auch um den Bürgern ein Gefühl der Sicherheit zu gewährleisten.
Es handelt sich zweifelsohne um ein schwieriges Thema, denn viel zu schnell neigt man dazu, Menschen gleicher Herkunft über einen Kamm zu scheren. Es sind eben nicht alle Asylbewerber potentielle Vergewaltiger, und doch bringen diese Personengruppen auch neue Gefahren und Probleme mit sich.
Vielleicht finden wir ja die Lösung der Probleme in den deutschen Kommentarspalten. Um das herauszufinden werde ich im Folgenden einen der typischen Kommentare unter entsprechenden Nachrichtenartikeln analysieren. Zunächst aber ein Blick auf den Artikel selbst:

So findet sich die Nachricht auf der Facebook-Seite des Nachrichtensenders N24. Beschrieben wird dabei ein Fall in Berlin, bei welchem ein zunächst Unbekannter einer 19-Jährigen an den Po fasste und anschließend gesucht wurde. Schlussendlich wurde er auf einem Weihnachtsmarkt aufgegriffen und nach einer kleinen Rangelei zwischen Polizei und drei seiner Freunde festgenommen. Ein unschönes Ereignis, bei dem man sich aber schon fragen darf, warum darüber deutschlandweit berichtet wird. Doch das ist hier nicht das Thema. Ich möchte herausfinden, was „das Internet“ zu solchen Fällen meint. Dazu nehme ich mir beispielhaft den beliebtesten Kommentar unter dem Posting:


Roy Manfred W. scheint hier ein klares Muster zu erkennen. Es handelt sich um ein Sexualdelikt und es wird nicht über die Herkunft des Täters berichtet. Daraus schließt er, dass diese Information bewusst zurückgehalten wird, da es sich bei dem Täter mit Sicherheit um einen „kulturbereichernden Neubürger“ handelt. Halten die Medien hier wirklich derartige Informationen zurück, um die Flüchtlingspolitik der Regierung nicht zu gefährden? Oder handelt es sich bei diesem Kommentar am Ende doch nur um einen falschen Alarm und es ist alles halb so wild? Es folgt eine genauere Analyse des Geschriebenen.

„Da mal wieder die Herkunft der Täter der Öffentlichkeit verschwiegen wird […]"

Tatsächlich findet sich weder im Artikel auf N24.de noch im dazugehörigen Videoausschnitt eine Angabe zur Herkunft des Täters. Hat Roy Manfred W. also Recht? Verschweigt N24 hier bewusst Informationen, um Flüchtlinge nicht in ein schlechtes Licht zu rücken?
Nein. Kurz danach gegoogelt findet man schnell die Information, dass es sie sowohl beim Täter selbst, als auch bei seinen drei Freunden, um deutsche Staatsbürger handelt. N24 schützt hier also nicht die Flüchtlinge, sondern schenkte beim Erstellen dieser Nachricht der Herkunft des Täters wohl einfach keine Beachtung. Möglicherweise tauchte diese Information einfach nicht in der Pressemitteilung auf, oder man betrachtete es eben einfach als unwichtig, wo der Täter nun genau herkommt. Fakt ist, dass N24 diese Information zwar nicht aufgriff, von einem Verschweigen gegenüber der Öffentlichkeit hier aber keine Rede sein kann.

„[…] kann man davon ausgehen dass es sich um Kulturbereicherende Neubürger handeln wird.“

Der zweite Teil dieses Kommentares ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit vermeintlich freundlich klingenden Wörtern ein eindeutig rechtes Gedankengut verpackt. Bei dem Begriff „kulturbereichernd“ handelt es sich um rechtsradikales und fremdenfeindliches Jargon. Ziel dieses Begriffes ist es, die oft von Unterstützern von Flüchtlingen angemahnten Bereicherung für unsere Kultur aufs Korn zu nehmen, indem man eben diese Bereicherung als Gewaltdelikte identifiziert.
Der Begriff des „Neubürgers“ hat im Grunde das gleiche Ziel. Er klingt freundliche und weltoffen, wird hier aber im klar sarkastischen Ton verwendet, um Flüchtlinge zu verunglimpfen. Interessant ist hierbei auch, dass mit diesem Begriff alle Flüchtlinge in eine Kategorie gepackt werden. Damit wird jede Form der Differenzierung ausgeschlossen und von einigen wenigen Kriminellen auf alle Flüchtlinge gefolgert. Ein typisches Merkmal dafür, dass hier eine tiefgründige, faktenorientierte Auseinandersetzung mit der Thematik nicht erwünscht ist. Eine Taktik, die sich früher nahezu ausschließlich in rechtsextremen Kreisen wiederfand, die durch eine immer härter werdende Rhetorik und der daraus resultierenden Verrohung der Debattenkultur inzwischen aber auch in konservativen Kreisen, die eher als Mitte-Rechts zu definieren sind, angekommen ist.

Ziele dieser Aussage gibt es gleich zwei. Zunächst das offensichtliche: Roy Manfred W. möchte damit klar seine Abneigung gegenüber der Flüchtlingspolitik äußern. Er sieht darin eine eindeutige Gefahr für die innere Sicherheit. Zweites Ziel der Aussage ist es, sich über Unterstützer der Flüchtlingspolitik lustig zu machen. Er nimmt Argumente der Unterstützer und dreht diese durch sarkastischen Gebrauch in einen klar negativen Zusammenhang. Flüchtlinge sind keine Bereicherung, sondern eine Gefahr. Wer Anderes sagt oder denkt, über den kann man sich nur lustig machen. Damit macht er wohl auch deutlich, dass er nicht an einer möglichen Kompromisslösung der Situation interessiert ist. Und damit steht Roy Manfred W. stellvertretend für eine ganze Bewegung von Asylgegnern.

Leider wird Roy Manfred W. mit diesem Kommentar unser Land nicht besser machen. Auch wird er seine eigenen Ziele damit nicht durchsetzen. Selbst zur Überzeugung bisheriger Asylverfechter wird seine Aussage wohl nicht zu gebrauchen sein. Stattdessen bietet er nur falsche Unterstellungen und ein Jargon, welches einst klar rechtsradikal war. Schade.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen