Deutschlands Kommentarspalten #2
- Von Katastrophen und der Rettung der Welt -
In Zeiten weltweiter Krisen muss die Bundesregierung auch daran denken, was im Falle einer nationalen Katastrophe zu tun ist. Schon vor einiger Zeit hat die Bundesregierung deshalb dazu aufgerufen, sich für mindestens zehn Tagen mit Lebensmitteln einzudecken.
Jetzt hat man sich dazu entschlossen, das veraltete Konzept des Katastrophenschutzes zu überarbeiten und denkt im Zuge dessen auch über Zwangsenteignungen von Lebensmittelbetrieben nach, die dann dazu gezwungen werden sollen, wichtige Grundnahrungsmittel zu produzieren.
Aber sind solche Konzepte denn wirklich notwendig? Natürlich kann der Ernstfall jederzeit eintreten, doch gerade Enteignungen stoßen hierzulande oft auf großen Widerstand. Vielleicht lässt sich eine bessere Lösung ja in den deutschen Kommentarspalten im Internet finden.
Auf der Suche nach der ultimativen Lösung bin ich auch in der zweiten Folge von Deutschlands Kommentarspalten wieder auf die Facebook-Seite von N24 gestoßen.
Zunächst ein Blick auf den Post von N24:
Eine Schlagzeile, die ohne Frage die Aufmerksamkeit weckt und der im ersten Impuls viele negativ gegenüber eingestellt sind. Ein Durchlesen des bereits in der Einleitung von mir verlinkten Artikels dürfte aber schnell viele wieder besänftigen, handelt es sich hierbei doch um eigentlich wichtige Pläne zur Versorgung der Bevölkerung im Katastrophenfall. Doch manch einer erkennt darin noch deutlich mehr, und zeigt dabei auch gleich auf, wie man es besser machen kann. So auch Karsten N., dessen Kommentar ihr hier sehen könnt:
Er scheint in den Plänen der Bundesregierung einen Beleg dafür zu sehen, dass diese korrupt ist und damit auch gleich den Weltfrieden gefährdet. Eine echte Lösung bietet dabei nur die AfD, schließlich steht diese offenbar für eine echte Revolution. Ein langer Kommentar, dessen Aussagen harte Unterstellungen sind – und der über 250 Menschen gefällt. Gleich mehrere Gründe, um die Aussagen von Karsten N. genauer unter die Lupe zu nehmen.
„Im Interesse aller Menschen dieser Welt STOPPT endlich KORRUPTE Politiker […]“
Auch wenn er es hier nicht direkt sagt, so muss man davon ausgehen, dass Herr N. mit dieser Aussage unsere Bundesregierung meint. Schließlich findet sich dieser Kommentar unter einem Artikel über eben diese. Aber ist unsere Regierung wirklich korrupt?
Glaubt man dem „Corruption Perceptions Index“ von Transparency International, dann kann man diese Frage mit einem deutlichen Nein beantworten. Von 167 aufgeführten Ländern ist Deutschland auf Platz 10 der am wenigsten korrupten Nationen. Interessant ist dabei auch, dass die Korruption hierzulande – wie übrigens auch in vielen anderen Ländern – rückläufig ist.
Damit muss festgehalten werden, dass diese erste Aussage von Karsten N. leider, oder wohl eher zum Glück, nicht stimmt. Offenbar ist sogar das Gegenteil der Fall. Nicht nur ist unsere Regierung eine der am wenigsten Korrupten dieser Welt, offenbar gibt es sogar einen Trend, hin zu einer weltweiten Reduktion von Korruption. Wenngleich natürlich gesagt werden muss, dass der geforderte Stopp der Korruption auch weiterhin in weiter Ferne zu liegen scheint. Es handelt sich hier also durchaus um eine vernünftige Forderung, wobei sie sich eben gegen die falschen Leute richtet.
„[…] dann haben wir was wir alle wollen und brauchen, nämlich FRIEDEN auf dieser noch schönen Welt. […]“
Würde das Ende der Korruption wirklich Frieden auf dieser Welt bedeuten? Diese Aussage ist mit einfacher Quellenarbeit leider nicht zu beantworten. Dennoch lohnt sich ein erneuter Blick in den Bericht von Transparency International, um herauszufinden, in welchen Ländern sich die korruptesten Strukturen wiederfinden. Vielleicht lässt sich daraus ja schließen, ob all die Konflikte auf dieser Welt wirklich auf Korruption zurückzuführen sind. Mit Somalia, Nordkorea und Afghanistan finden sich tatsächlich drei der großen Krisenherde unseres Planeten auf den letzten Plätzen wieder. Zweifelsohne würde es der Welt sehr gut tun, die Korruption in diesen Staaten zu beenden, jedoch ist dies nicht ohne weiteres möglich. Es handelt sich, Nordkorea ausgenommen, um sogenannte failed States, also um Staaten, deren Grundfeste bereits zerschlagen wurden. Ein einfacher Stopp der Korruption ist dort also leider nicht möglich. Außerdem ist davon auszugehen, dass ein plötzliches Ende der Korruption in diesen Staaten wohl kaum Bürgerkriege, Menschenrechtsverletzungen und andere Gräuel beenden würde. Die Schlussfolgerung von Karsten N., dass das Ende der Korruption mit einer friedlichen Welt einhergehen würde, stimmt so also leider ebenfalls nicht.
„[…] Zur not mit einer Revolution !! […]“
Eine Revolution gegen das Böse in der Welt. Oder in Deutschland? Es ist schwer zu sagen, an wen sich diese Aufforderung zur Auflehnung gegen die Staatsgewalt richtet. Nimmt man Bezug zum Post von N24, unter welchen sich dieser Kommentar findet, so richtet er sich wohl an die Deutschen. Eine Revolution gegen die Bundesregierung, um nicht vorhandene Korruption zu beenden und den Weltfrieden herzustellen? Bei allem Respekt, das macht einfach keinen Sinn.
Richtet sich seine Aussage also an die Bürger der wirklich korrupten Staaten? Tatsächlich hat man das in so manchem Land versucht, doch wirklich geholfen hat das selten. Man erinnere sich an den Arabischen Frühling, bei dem ab Dezember 2010 in vielen Staaten der arabischen Welt gegen korrupte Machtverhältnisse demonstriert wurde. Ergebnis der Aufstände sind neue, aber weiterhin autoritäre und korrupte Machthaber, oder sogar Bürgerkriege. Einzig in Tunesien wurde eine demokratische Regierung gewählt, die bislang allerdings mit wenig Erfolg das Land regiert. (Quelle)
Selbstverständlich soll das nicht heißen, dass Aufstände gegen totalitäre, korrupte Systeme falsch sind. Man muss sich aber die Realität vor Augen halten, dass ein echter Wandel nicht von heute auf morgen geschehen kann. Der Aufruf von Karsten N. muss also leider als nicht hilfreich eingestuft werden.
„[…] Ich werde mit der Erst und Zweitstimme die AfD wählen,noch schlimmer als es jetzt schon ist kann es ja nicht mehr werden.“
Eine Aussage, die ein so pessimistisches wie auch weltfremdes Realitätsbild zeigt. Denn, und das darf man nie vergessen, schlimmer geht immer. Auch wenn es derzeit viele Krisenherde auf der Welt gibt, so ist eine Zuspitzung der Lage bis hin zu einem dritten Weltkrieg leider jederzeit möglich. Übrigens auch dann, wenn die AfD an die Macht kommen sollte. Wieso, das zeigt ein kurzer Blick in das Grundsatzprogramm der selbsternannten Alternative.
Karsten N. sagt in seinem Kommentar auch indirekt, dass ihm unsere Welt wichtig ist. Dies ziehe ich sowohl aus seiner Feststellung, dass unser Planet schön sei, wie auch aus seinem vermeintlichen Engagement für den Frieden auf unserer Welt.
Problem nur, dass die AfD diesem Planeten erheblich schaden würde. Denn entgegen verschiedenster wissenschaftlicher Erhebungen stellt die AfD fest, dass CO2 gut für die Umwelt ist und der Klimawandel bislang nicht eindeutig nachgewiesen wurde. Ein fataler Gedanke, der für den gesamten Planeten katastrophale Auswirkungen haben kann. Würden sich derartige Ansichten durchsetzen, dann braucht es keine Kriege, um diesen Planeten zu zerstören.
Zusätzlich setzt die AfD aber auch auf eine Politik der Russland-Freundlichkeit. Prinzipiell ist dem nichts entgegenzusetzen, denn ein vernünftiger Dialog würde mit Sicherheit nicht schaden. Bei einem solchen Dialog müssen aber auch klare Grenzen gesetzt werden, was die AfD aber nicht tun würde. Die Partei möchte beispielsweise zur Lösung des Ukraine-Konfliktes die russische Regierung, der ukrainische Regierung und die Regierung der Krim an einen Tisch bringen. Damit macht die AfD klar, dass sie die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland akzeptiert und dementsprechend Ländergrenzen und die Souveränität von Staaten ignoriert (Quelle). Ein solches Denken und entsprechendes Handeln wäre für die Sicherheitslage auf der Welt eine Katastrophe.
Es zeigt sich also, dass es durchaus noch schlimmer werden kann, und Karsten N. mit der AfD eine Partei wählen möchte, deren Nutzen für die Erhaltung des Planeten mehr als fraglich ist.
Was bleibt am Ende also vom Kommentar von Karsten N. übrig? In Bezug auf den eigentlichen Artikel von N24 schlichtweg nichts. In Bezug auf die Sicherheit der Welt leider auch sehr wenig. In seinen Augen sind deutsche Politiker korrupt, was nicht stimmt. In seinen Augen ist diese Korruption die Ursache für das Übel in der Welt, was so ebenfalls nicht stimmt. Und auch die Aussage, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann stimmt so nicht. Und ob die AfD an der Situation etwas verbessern würde, das ist auch mehr als fraglich. Als Fazit muss also festgehalten werden, dass Karsten N. mit seinem Kommentar leider nicht unsere Welt retten konnte. Aber ich gebe nicht auf und suche weiter – in Deutschlands Kommentarspalten.


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